Behandlungsablauf

Allgemeinmedizinische Betreuung

Neziri

Dr. Neziri

Viele Patienten mit fortgeschrittener Adipositas leiden an Folgeerkrankungen dieser Krankheit wie Bluthochdruck, Herzschwäche, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus Typ II, Arthrose der Hüft und Kniegelenke u. v. m. Am Beginn einer Adipostias Therapie steht die Erfassung bislang undiagnostizierter Erkrankungen und deren Therapie. Nur bei optimaler medikamentöser Einstellung des Zuckerstoffwechsels und des Blutdrucks kann das Operationsrisiko minimiert werden. Eine regelmäßige Überprüfung der Blutwerte und der Kreislaufparameter ist vor und nach einer Operation essentiell. Selbstverständlich wird Ihr Hausarzt in die Behandlung einbezogen.

Auch wenn Sie noch keine schwerwiegenden Adipositas-assoziierten Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen haben, ist es der Allgemeinmediziner der hilft, Gesundheitsrisken im Vorfeld einer Operation zu identifizieren und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Er steht im ständigen Kontakt mit dem Chirurgen und den anderen Mitgliedern des Teams.

Die Termine mit dem Allgemeinmediziner liegen am Anfang der Vorbereitungsphase und kurz vor der Operation. Darüber hinaus werden Einzeltermine individuell vereinbart. In den ersten 2 Jahren nach der Operation erfolgen die Nachsorgetermine in der Regel in 3-monatigen Abständen.

Ernährungsberatung

Anja_Later

Anja Later

Zentraler Pfeiler der Adipositasbehandlung in unserem Zentrum ist naturgemäß die Ernährungsberatung. Ohne eine intensive Schulung der Patienten im Vorfeld einer bariatrischen Operation ist eine erfolgreiche Therapie undenkbar.

In mehreren gestaffelten Beratungssitzungen in Gruppen von 5 – 8 Teilnehmern werden den Patienten des Adipositas Zentrums im Vorderen Westen durch eine gelernte Diplom-Ökotrophologin die Zusammenhänge gesunder Ernährung nahegebracht. In aufeinander aufbauenden Kursen werden allgemeine Kenntnisse der Ernährungsphysiologie vermittelt, die Besonderheiten der Ernährung nach Magenbypass ausführlich erarbeitet und zusätzlich auf Wunsch Patienten und deren Partnern die Möglichkeit gegeben, einfache und leckere Rezepte für Magenbypass-Operierte in Kochkursen in den klinikeigenen Lehrküchen zu erlernen.

Nach erfolgreicher Operation steht Frau Later Ihren Patienten in weiteren Gruppenterminen für Fragen zur Verfügung, die sich oft erst im noch ungewohnten häuslichen Alltag ergeben. Diese Ernährungsgruppen münden dann in turnusmäßigen Treffen von neugebildeten Selbsthilfegruppen. Hier werden Interessierten durch wechselnde Referenten neue Studienergebnisse, Berichte von Fachtagungen und interessante Entwicklungen aus dem Gebiet der metabolischen Chirurgie mitgeteilt und diskutiert.

Die praeop. Gruppentermine finden jeden Mittwoch ab 13:00 Uhr statt. Zeitlich sind sie entsprechend den verschiedenen Gruppen gestaffelt.

Fitness und Bewegungstherapie

Ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung der morbiden Adipositas ist der Bewegungsmangel. Während der Vorbereitung zur Operation werden den Patienten Übungen nahegebracht, welche auf ihre speziellen körperlichen Einschränkungen ausgelegt sind. Sie dienen dazu, vernachlässigte Muskelgruppen zu aktivieren, die Koordination zu fördern oder einfach nur Spass an der Bewegung in der Gruppe zu vermitteln. Hier können adipöse Menschen sich in einem geschützten Umfeld sportlich betätigen ohne geringschätzige Blicke ihrer Mitmenschen fürchten zu müssen. Die Gruppenübungen sowie Nordic Walking finden unter Anleitung eines ausgebildeten und in der Adipositastherapie erfahrenen Physiotherapeuten statt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an Gerätetraining in einem Fitness-Studio, welches während bestimmter Trainingszeiten für Patienten des Adipositas Zentrums reserviert ist.

Auch nach erfolgreicher Operation ist die regelmäßige sportliche Aktivität sehr wichtig, um vor allem in der Phase der rapiden Gewichtsabnahme dem Abbau von Muskel- und Knochensubstanz entgegenzuwirken. Patienten des Adipositas Zentrums im Vorderen Westen haben die Möglichkeit unsere Kursangebote weiter zu nutzen oder an individuellen Trainingsprogrammen teilzunehmen.

Die Trainingszeiten sind 2 x pro Monat jeweils 90 Min, können aber ggf. auch noch individuell angepasst werden.

Psychosomatik – Verhaltenstherapie

Um spätere Rückfälle zu verhindern, muss versucht werden, die Mechanismen aufzudecken, die zur Entstehung der krankhaften Fettleibigkeit geführt haben. Sind diese bewusst gemacht, ist es den Betroffenen möglich, unterstützt durch den psychosomatisch geschulten Arzt, Strategien für eine bewusste und gesunde Lebensführung zu entwickeln, die ihm/ihr nach einer bariatrischen Operation als Orientierung dienen.

Viele Patienten mit Adipositas leiden unter Depressionen, Suchtproblemen und anderen Verhaltensstörungen. Häufig führt die zunehmende Isolation durch die Adipositas zu einem Teufelskreis, aus dem sich die Betroffenen nicht ohne Hilfe befreien können.

Diese besonderen Gefahrenpotentiale werden im Rahmen der psychologischen Erstuntersuchung erkannt und soweit möglich im Rahmen einer psychosomatischen Therapie behandelt. Da die zugrundeliegende Krankheitsdynamik nicht selten erst nach mehreren Therapiesitzungen zu Tage tritt, ist auch hier eine enge Absprache zwischen den Akteuren des Adipositas Zentrums erforderlich. Hier liegt einer der wesentlichen Vorteile der engen Nachbarschaft von Therapeuten verschiedener Fachrichtungen Tür an Tür innerhalb des Adipositas Zentrums.

Die Verteilung der Termine zur psychosomatischen Untersuchung bzw. verhaltenstherapeutischen Gruppenbehandlung entnehmen Sie bitte dem u. a. Flow Chart.

Operationsvorbereitung

Ist der Antrag auf Kostenübernahme von der Krankenkasse und dem MdK bewilligt worden, geht es in die letzte Runde der Vorbereitungsphase. Durch unsere Ernährungsberaterin wurden Sie auf die 3-wöchige „Flüssigphase“, eine intensive Proteindiät, vorbereitet. Diese dient vorrangig der Rückbildung des Leberfettes und damit der Verkleinerung der Leber vor der geplanten Operation. Zusätzlich muss eine Magenspiegelung (Gastroskopie) durchgeführt werden, sowie eine Anzahl weiterer Untersuchungen: EKG, Lungenfunktion, Polysomnografie, ggf. Schaflabor-Untersuchung. Wurde eine Besiedelung des Magens mit dem Bakterium Helicobacter pylori festgestellt, erfolgt die medikamentöse Eradikationsbehandlung. Das Zeitintervall zwischen Antragsbewilligung und Operation beträgt maximal 4 Wochen.

Nachsorge

Nach erfolgreichem Eingriff beginnt die Zeit der Umstellung und der rapiden körperlichen Veränderungen. In dieser Phase benötigen Sie die Unterstützung durch das Adipositas Zentrum besonders: der Allgemeinmediziner muss in 3-monatigen Kontrollen die medikamentöse Einstellung ihres Bluthochdruckes und des Diabetes anpassen, die Ernährungsberaterin bietet in 2 postoperativen Gruppenterminen Ratschläge zu Fragen der Ernährungsumstellung, die psychologische Betreuung kann für den Erfolg der Gesamtbehandlung in dieser vulnerablen Phase besonders entscheidend sein. Es wird daher im Rahmen einer Abschlussbeurteilung etwaiger weiterer psychologischer Behandlungsbedarf ermittelt. Das Fitness-Training und die unterschiedlichen Arten der Bewegungstherapie können und sollen unbedingt auch nach erfolgter Operation (auf freiwilliger Basis) fortgesetzt werden, um einen Abbau von Knochen- und Muskelmasse zu verhindern. Die Nachsorge zur frühzeitigen Aufdeckung einer Mangelsituation muss lebenslang in Abstimmung mit den behandelnden Ärzten des Adipositas Zentrums erfolgen.